Gruppenfahrt

Aufeinander achten

Die wichtigste Lektion, die ich bei meiner ersten Ausfahrt in der Gruppe gelernt habe, war: Zeichen geben. Und zwar, noch bevor wir aufs Rad gestiegen sind. Da gab es klare Ansagen: wer vorn fährt, schaut auf die Straße und zeigt, wo die Schlaglöcher oder Glasscherben sind, wo Bahnschienen als potenzielle Sturzverursacher liegen, wenn vor uns jemand langsamer fährt und wir als Gruppe überholen wollen …. für alles gibt es eigene Handzeichen. Plus die Zeichen, die du selber vermutlich aus dem Straßenverkehr kennst (und die nach meinen Beobachtungen ein wenig aus der Mode gekommen sind) wie zum Beispiel der Arm beim Abbiegen. Der zweite, dritte Fahrer in der Reihe … alle bis zum Ende reichen dieses Zeichen quasi nach hinten durch.

Warum tun wir das? Als allererstes, weil wir – wegen des Windschattens (dazu erzähle ich ein anderes Mal etwas mehr!) – so dicht hintereinander fahren, dass wir die Straße nicht sehen. Wenn ich zum Beispiel hinter meinem Mann fahre, sehe ich nur seinen Rücken, das Hinterrad und sonst nix. Wenn es mich dann an den Bahnschienen oder im Schlagloch zerlegt oder wenn ich unvermittelt bremse, weil ich nicht sehen konnte, dass da was kommt, fährt der hinter mir Fahrende auf mich drauf oder stürzt mit mir gemeinsam. Und die dahinter auch. Ist es ein netter Zug, für die Unversehrtheit der Knochen – und des Rades! – seiner Mitfahrerinnen ab und zu ein Handzeichen zu geben? Ich meine, es ist noch mehr: unabhängig davon, dass ich bei meinen Ausfahrten ja fahren und nicht Pannen bearbeiten oder auf den Krankenwagen warten möchte, stelle ich durch mein Handzeichen sicher, dass alle heil ans Ziel kommen.

Was bedeutet das für die Teamarbeit? Ich bin ein großer Fan von „Lessons Learnt“ – gemeinsam von unseren Fehlern lernen.

Wenn wir uns im Team austauschen, an was wir gerade arbeiten und wie wir welche Schwierigkeiten und Hindernisse bewältigt haben, wenn ich soviel Vertrauen in meine Kollegen habe, dass ich auch erzählen mag, wo ich einen Fehler gemacht, mir eine vermeidbare Abfuhr eingeholt oder eine Datei zerschossen und wie ich sie dann nach Tagen wiedergefunden habe …. dann können wir voneinander lernen. Das braucht ein bisschen Übung (wie war doch gleich das Zeichen für Bahnschienen…??!), aber wenn es zur Selbstverständlichkeit wird, können wir gemeinsam als Team unser Ziel mit deutlich weniger Prellungen, Schulterfrakturen oder einfach nur schneller und mit Spaß erreichen. 

Wo kannst du deine Kollegen auf Stolpersteine hinweisen, die du aufgrund deiner Erfahrungen vorhersiehst? Oder sie an deinen Lernerfolgen teilhaben lassen? Wo kannst du als Sparrings Partner für sie da sein, damit sie aus deinen Fehlern lernen und – mit anderen, eigenen Lernerfolgen – ihr Ziel erreichen können? 

Vielleicht kann dies sogar zum Motto des neuen Jahres werden: eine Kultur zu schaffen, in der wir aufeinander achten, in der wir soviel Vertrauen zueinander haben, dass wir gegenseitig unsere Erfahrungen teilen, um voneinander zu lernen – im Sinne des Großen Ganzen oder – wie mein Lieblingsautor Gerald Hüther immer wieder betont – zur Potenzialentfaltung!

Ich wünsche allen einen guten Start in das noch junge Jahr 2021, viel Erfolg und Spaß bei der Führungs- und Teamarbeit! 

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